Sonntag, 11. Januar 2015

Um wieviel Grad ist es denn wärmer geworden?

Es ist gar nicht so einfach festzustellen. Denn was wir als Graphen von Temperaturmessungen gezeigt bekommen, das ist nicht eine bestimmte Thermometer-Messung, sondern ein statistisches Produkt, dass aus Daten von tausenden Thermometern-Stationen und Messungen des Meerwassers (Früher: Vom Schiff aus Eimer mit Wasser aus dem Meer geholt, Thermometer rein, abgelesen - heute wird am Einlass des Kühlwassers gemessen. Und ein Schiff bleibt ja nie an derselben Stelle.) erstellt wird.

Der Wärmeinsel-Effekt der immer wärmer werdenden Städte kann auch zu Verfälschungen beitragen. Dr. Ross McKitrick von der Universität in Guelph in Kanada weist darauf hin, dass ca. 90% aller Thermometeraufzeichnungen aus städtischem Gebiet stammen.

John Daly hat vor einigen Jahren viele ländliche Stationen weltweit zusammengestellt. Hier kann man auf jedem Kontinent nachschauen, wie die Temperatur sich so entwickelt. Kommen Sie also mit auf eine kurze Reise um die Welt - zumindest was Temperaturdaten im ländlichen Raum und manchmal sogar in Großstädten betrifft.

Bevor es losgeht, schauen wir und eine bekannte Temperatur-Kurve an, die bewährte HADCRUT3, bekannt als gemäßigt. Bestehend aus Lufttemperaturen über Land und Seewasssertemperaturen vom Oberflächenwasser. Alle anderen gängigen Temperaturkurven - außer reinen Ozean- oder Satellitenkurven haben einen höheren Anstieg.



Merken wir uns die Kerndaten der Kurve: Anstieg bis ca. 1880, Abfall um ca. 0,4°C und Tiefpunkt bei 1910, starker Anstieg um 0,5°C bis ca. 1945, 0,3°C Abfall in den 60ern und 70ern, Anstieg um 0,6°C ab den Achzigern bis 2000, dann ein Plateau.

Der Unterschied von 1910 bis 2000 beträgt ca. 0,9°C.



Im Vergleich dazu sehen wir unten die GISS-Temperaturkurve, die statistisch anders aufbereitet wurde.


http://woodfortrees.org/plot/gistemp-dts

Hier scheint es fast gar nicht mehr abwärts zu gehen und der Temperaturanstieg liegt bei 1,2°C.

Aber widmen wir uns nun mal den einzelnen ländlichen Stationen ohne UHI-Effekt. Fangen wir ganz im Norden an, nur 9,4° vom Nordpol entfernt. Franz-Josephs-Land und drei andere Stationen:




Eine lange Kurve aus Grönland:

greenl-2.gif (720×370)

http://john-daly.com/stations/greenl-2.gif


Begann vor 175 Jahren in Island:



http://john-daly.com/stations/s-holmur.gif




http://john-daly.com/stations/g-alaska.gif


Hier kommen 6 Stationen, die die Lücke zwischen England, Island und Grönland überbrücken.

http://john-daly.com/stations/giuk-gap.gif


Aus der kanadischen Arktis


http://john-daly.com/stations/inukjk-2.gif


Von der russischen Arktisküste:



http://john-daly.com/stations/kaninnos.gif


Messungen ab 1856 aus Nordostrussland:



http://john-daly.com/stations/nikolaev.gif



Ab 1860 aus Schweden an der Finnischen Grenze.


http://john-daly.com/stations/haparand.gif


300 Jahre Messungen aus den Niederlanden:



http://john-daly.com/stations/de-bilt.gif


Ab 1876 aus Indien:



http://john-daly.com/stations/gauhati.gif



Auch Millionenstädte werden manchmal nicht wärmer:



http://john-daly.com/stations/newdelhi.gif




http://john-daly.com/stations/singpore.gif


Eine große und eine kleine Japanische Stadt:



http://john-daly.com/stations/osaka.gif


Eine Insel 200 km vor der Küste mitten im Golfstrom:



http://john-daly.com/stations/sable.gif


New York im Vergleich zum ländlichen West Point:



http://john-daly.com/stations/WestPoint-NY.gif



Drei Stationen in Tennesee:



http://john-daly.com/stations/tennesse.gif


Die Stadt mit den meisten Tornados im US-Staat mit den meisten Tornados:



http://john-daly.com/stations/newkirk.gif

Was man bei allen Stationen der Nordhalbkugel sieht: ein relativ flacher Trend, die 40er Jahre etwa gleich warm wie die 1995er/2000er, manchmal sogar etwas fallend. Auch der Tiefpunkt um 1910 ist meistens ersichtlich.

Und jetzt die Südhalbkugel:


Drei Stationen in Patagonien:



http://john-daly.com/stations/patagon2.gif


Die südlichste Stadt der Welt:



http://john-daly.com/stations/p-arenas.gif





















Und zum Schluss der kälteste Ort der Erde:




Was man auf der Südhalbkugel meist sieht: Ein Abfall von den 40er Jahren hin zu den 1995ern/2000ern. Den 1910er Einschnitt sieht man nicht so deutlich.

Der Unterschied kann auch daherrühren, dass es auf der Südhalbkugel viel weniger Landmasse gibt, und deshalb der Ozean mit seinen hohen Speichermassen den Takt angibt. (Wasser kann viermal soviel Temperatur speichern wie Gestein).

Wohlgemerkt, es waren meist nur ländliche Stationen, aber auf der Südhalbkugel sogar Großstädte mit abfallenden oder gleichbleibenden Trend. Ein Anstieg über das 1940er Niveau oder sogar ein beschleunigter Anstieg am Ende des 20. Jahrhunderts ist nicht zu beobachten.

Woraus man schließen kann: Der Anstieg in den 80er/90er Jahren geht wohl aufs Konto des städtischen Wärmeinsel-Effekts (UHI). 

Anmerkung: Das Gezeigte ist nur ein Bruchteil der ländlichen Stationen. Wenn man sich die Zeit nimmt, und alle Stationen auf John Dalys Website ansieht, ist überall die selbe Tendenz zu beobachten. Man ist richtig erschlagen von dem flachen Temperaturtrend.

Kritik und Einwände:

Möglicherweise hat John Daly nur die ländlichen Stationen herausgepickt, die einen flachen Trend zeigen. Es gibt noch viel mehr Berichte über Stationen mit gleichbleibenden Temperaturen. U.a. http://hidethedecline.eu/ hat umfangreiche Temperaturdaten gesammelt und auf verfälschende Einflüsse geprüft. Vor allem aber die Menge der US-Stationen auf Dalys Site sind zuviel, als das es nur Ausreißer sein können. Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass Temperatur-Messstationen in einer bestimmten Weltgegend mit einem ähnlichen Umgebungsprofil ziemlich gleiche Temperatur-Reihen mit den gleichen Ausschlägen hervorbringen.

Die Temperaturdaten gehen nur bis max. 2003. Sorry, aber John Daly ist 2004 gestorben. Er konnte deshalb einfach nicht mehr weitermachen. Aber der letzte große Temperatursprung kam 1998. Seitdem hat sich nichts mehr Wesentliches getan. Und seit dieser Zeit gibt es Satelliten, die Temperaturen ohne den Wärmeinseleffekt messen können.

Die Temperatursprünge auf den Messreihen von Daly sind oft größer als die z.B. auf der HADRUT-Reihe. Wenn Messwerte von Tausenden von Temperaturstationen zusammengeworfen werden und der Durchschnitt ermittelt wird, werden die Unterschiede des Durchschnitts logischerweise viel kleiner sein als die einer einzigen Temperaturstation. Und dann kommen die noch trägeren Temperaturen des Ozeans dazu. Wenn man vergleichen will, dann die Höhen und Tendenzen innerhalb der jeweiligen Kurve.

*****

Um wieviel ist es nun wärmer geworden? Laut den meisten ländlichen Temperaturreihen war es Ende des 20. Jahrhunderts ungefähr genauso warm wie ca 1880. Anders als bei "Als Anhalter durch die Galaxis" lautet die Anwort 0. Grad Celsius. Oder so. Diese Antwort gilt dann, wenn die Daly'schen Stationen keine Ausreißer sind, sondern den Durchschnitt der ländlichen Stationen repräsentieren. Wovon ich aber nach dieser Exkursion ausgehe. Ich hatte eigentlich erwartet, dass der 1998er El-Nino der Temperatur noch einen Zuschlag oben drauf gegeben hat. Aber bei den meisten Graphen war der 1998er Anstieg noch mit drin. Und der ging bei keiner Station über die 40er-Jahre-Werte hinaus.

Sogar wenn man von einem kleinen Anstieg über die 1880er oder 1940er Werte ausgeht: Gefährlich, noch nie dagewesen, sich ständig beschleunigend war  nicht. Ein deutliches Signal des CO2 ist nicht dabei. Das bedeutet nicht, dass es keine Wirkung hat. Aber es hat eben keine gefährliche und muss daher nicht bekämpft werden.

Schauen wir uns noch die Satelliten-Daten an: Der Sprung vom Boden der Delle in den 70er Jahren auf das 2000er Plateau.


http://woodfortrees.org/plot/rss/plot/rss/to:1993.5/trend/plot/rss/from:1996.6/trend/plot/rss/from:2002/trend/plot/none

Es sind recht genau 0.3°C, die man als Anstieg sieht. Das ist der Betrag, um den auch HADCRUT3 nach den warmen 40ern abgefallen ist.  1995 und 1998 gab es jeweils einen El Nino, die die Temperatur auf das heutige Niveau angehoben haben. der 2010er El Nino hat die einsetzende Abkühlung wieder kurzzeitig aufgehalten. Trotzdem sind die letzten 13 Jahre wieder um ein Zehntel Grad kühler geworden.

Wenn man spekulieren darf, dann werden wir uns wieder dem etwa kühleren Niveau der 1970er Jahre annähern. Und wenn CO2 doch eine kleine Wirkung hat, wird's nicht ganz so schlimm.

*****

Und zum Schluss noch die Frage: Hat man uns da betrogen? Ich würde eher nein sagen. Man hat einfach Daten in der gewohnten Weise gesammelt und zusammengefasst. Irgendwann hat man dann den Aufwärtstrend bemerkt, zugleich mit dem Anstieg des CO2. Durch Kombination beider Tatsachen wurde dann die Theorie der menschengemachten Klimaerwärmung durch CO2 entwickelt. Und dann hat man weiter Aspekte gesucht, die irgendwie dazupassen. Und gefunden. Und Institute gegründet und Computermodelle entwickelt. Und alle haben mitgemacht ohne viel dabei nachzudenken.

Nachdem man nun jahrzehntelang dieselbe Botschaft gehört hat, glaubt man einfach daran - und dass die Wissenschaftler das schon richtig erforscht haben. Und diejenigen Wissenschaftler und Politiker, die langsam merken, dass das nicht alles stimmen kann, können nicht auf der Stelle umdrehen und sagen: "Ätschbätsch, war gar nichts!" Man bereitet sich darauf vor, langsam zurückzurudern, verringert die Trends und verlegt Vorhersagen in einen Zeitrahmen, in dem man schon in Rente gegangen ist. 

Ja, irgendso wird's gewesen sein. 

Und natürlich wäre es prima wenn jemand mit viel Fachkenntnis nachhakt und die ländlichen Temperatur-Reihen präzise zusammenfasst.

P.S. Wer wirklich lange Temperaturreihen haben will, der wird hier fündig.

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